„Aufhören, uns in der Mitte zu zerhacken" – Jascha Rohr
OB Wahl Oldenburg 2026
Podcast Intro und Gast
Lars Maushake: Moin, willkommen bei „Oldenburg, wie ist die Lage?“, der politische Podcast aus Oldenburg für Oldenburg.
Mein Name ist Lars Maushake und in den kommenden Monaten lade ich die Kandidatinnen und Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2026 zum Gespräch ein. Mein heutiger Gast ist Jascha Rohr. Er kandidiert als parteiloser Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters, nominiert sowohl von den Bündnis 90/Die Grünen als auch von der CDU.
Jascha Rohr ist gebürtiger Oldenburger, hat hier sein Abitur gemacht und danach in London Musikinstrumentenbau studiert, bevor er an der Universität Trier und Oldenburg Philosophie und Soziologie abschloss. Beruflich ist er Unternehmer. 2002 gründet er die Permakulturakademie, 2008 das Institut für partizipatives Gestalten, das bundesweit Bürgerbeteiligung durchführt, und 2020 die Co-Creation Foundation, deren Vorstand er ist.
Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „In unserer Macht: Aufbruch in die kollaborative Demokratie" und „Die große Co-Kreation". Drei Kinder hat er großgezogen, gelebt hat er zuletzt in Berlin und in einer Ökosiedlung in Huntlosen. Sein Slogan lautet: „Oldenburg mit dir". Sein Versprechen: Eine neue Kultur der Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg.
Jascha, schön, dass du da bist. Wie ist die Lage?
Jascha Rohr: Ja, moin. Schön, hier zu sein. Vielen Dank, dass du mich eingeladen hast, Lars.
Wahlkampf Stimmung
Jascha Rohr: Ja, wie ist die Lage? Der Wahlkampf fängt richtig an. Das merkt man. Da ist jetzt Energie drin und das setzt einen natürlich unter Spannung im positiven Sinn. Mir macht das viel Spaß.
Ich lern viele Leute kennen, bin viel unterwegs in der Stadt, lern Oldenburg noch mal von ganz neuen Seiten kennen. Das ist für mich unglaublich befriedigend, spannend, gibt mir Energie, macht mir Spaß. Ich will nicht verheimlichen, dass es natürlich auch Konflikte gibt und Auseinandersetzungen gibt. Da gerate ich jetzt natürlich mitten rein.
Sobald man sich exponiert, Dinge in die Öffentlichkeit bringt, gibt's auch entsprechendes Feedback und das ist Teil des, des ganzen Unternehmens jetzt hier. Und, ich glaub aber, die Lage ist gut. Ich freue mich, dass die Sonne scheint, auch wenn die letzten Tage ein bisschen kalt waren, ähm, aber dass jetzt der Sommer kommt und ich freue mich auf den Sommerwahlkampf.
Vom Instrumentenbau zur Beteiligung
Lars Maushake: Ich hatte kurz in der Einleitung angesprochen, dass du ursprünglich Instrumentenbau studiert hast in London, aber dann den Sprung jetzt mit deinen eigenen Unternehmen Städte zu begleiten oder Bürgerbeteiligung zu begleiten. Wie kam quasi der biografische Sprung von dem einen zum anderen?
Jascha Rohr: Ja, du hast echt gut recherchiert und bist in die Tiefe gegangen. Das freut mich, auch wenn man vielleicht denkt, das hat gar nichts mehr mit dem zu tun, was ich heute mache. Ich würd mal sagen, also Musik und Handwerk war meine Leidenschaft und mein Hobby während der Oberstufe. Und, ich hatte 'n Freund, der hat in London Musikinstrumentenbau studiert.
Ich fand das super spannend. Ich wollte raus, ich wollte in die Welt. Äh, nachdem ich Zivildienst in Kreyenbrück gemacht habe, im alten Wohnstift, bin ich einfach raus und hab die Chance ergriffen, einfach mal zwei Jahre ins Ausland zu gehen und diese Ausbildung dort zu machen. Was das mit heute mit mir zu tun hat, würd ich sagen, also A, London, Jugendjahre ist natürlich 'ne prägende Zeit, kann sich jeder vorstellen.
Was wirklich wichtig ist, ist für mich das Thema Handwerk. Ich versteh mich bis heute als 'n Handwerker, als jemand, der weiß, dass wenn man Dinge gestalten will, dass man dann auch sozusagen ans Material muss und wirklich mit den Dingen arbeiten muss. Und, das nehm ich bis heute mit, ja. Und ich hab dann aber gemerkt, nur in der Werkstatt stehen, das ist mir zu wenig.
Ich möcht mit Menschen arbeiten, ich möcht auch gesellschaftlich gestalten und nicht nur sozusagen mit Holz gestalten, sondern auch mit Gesellschaft. Deswegen hab ich das Studium gewählt. Deswegen hab ich dann während des Studiums schon erste kleine Unternehmen gegründet, mit denen ich mein Studium finanzieren konnte und dann eben irgendwann das Institut für partizipatives Gestalten.
Schwieriges Wort, abgekürzt IPG. Wir machen Bürgerbeteiligung. Wir gestalten mit Bürgerinnen und Bürgern Verwaltung und Politikkommunale Projekte. Und das mach ich jetzt seit, ja, 18, 19 Jahren. Ich hab schon 'n bisschen vor der Gründung damit angefangen. Daraus hat sich diese Gründung halt ergeben und das Ziel war immer, ja, Stadt gestalten, also, d-die Räume, in denen wir leben, lebenswerter zu machen, als sie jetzt sind.
Das treibt mich bis heute an.
Werte und Motivation
Lars Maushake: Woher kommt da dein tiefer Wunsch, mitzugestalten? Kommt der aus deiner Jugend, Kindheit? Du warst ja auch sehr lange bei den Pfadfindern, was du auch häufig immer selber betonst. War das so der Grundstein, warum du da so 'n Bedürfnis hast, die Stadt mitzugestalten?
Jascha Rohr: Na ja, klar, die Pfadfinder, auch hier in Oldenburg, die haben mir die wichtigsten Werte in meinem Leben mitgegeben.
Gemeinschaft, Verantwortung übernehmen, 'n Ort besser hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat, ne. Das sind vielleicht Klischees, aber mich haben die geprägt bis heute und ich weiß, was es heißt, sich für 'ne Gemeinschaft einzusetzen und mit 'ner Gemeinschaft auch gemeinsam Dinge zu machen. Und, ja, das prägt mich bis heute.
Und Ich glaub, der, der andere Anlass ist, ich geh viel durch die Welt und mir fallen Missstände einfach sehr stark auf, ja. Ich fahr durch Städte und denke: „Boah Mensch, schade um die vertane Chance, um das Potenzial, was hier möglich ist." Ich bin ja auch Unternehmer, nicht umsonst, weil ich einfach Potenziale sehe und die möchte ich heben.
Und ich weiß, ich allein schaff das nicht. Ich brauch immer andere. Ich brauch 'n Team, ich brauch Menschen, mit denen ich gemeinsam das gestalten kann.
Co-Kreation erklärt
Lars Maushake: Und, die Kollaboration ist ja auch das tragende Leitmotiv in auch in deinem Wahlkampf. Kannst du da noch 'n bisschen tiefer reingehen? Was genau meinst du mit diesem kollaborativen Ansatz, für die, die vielleicht damit gar nichts anfangen können?
Jascha Rohr: Ja, also manchmal hört man bei mir Begriffe wie Co-Kreation, Kollaboration. Wir alle kennen Kooperation, ne. Das ist 'n normales deutsches Wort und so seh ich diese anderen Worte auch. Co-Kreation heißt gemeinsam gestalten, Kollaboration heißt gemeinsam arbeiten und genauso mein ich das. Ich meine zum Beispiel 'ne Demokratie, wo es jetzt nicht um Ideologien geht oder um sozusagen Partei programme, sondern wo wir einfach wissen, wir sind alle Demokraten und als solche müssen wir zusammenkommen und Lösungen für die Menschen entwickeln.
Und das heißt zusammenkommen und Projekte, beginnen, planen, Fragen stellen, sich zuhören und dann aber auch Lösungen entwickeln, Innovationen entwickeln, zum Beispiel für 'ne Stadtgestaltung. Vielleicht 'n, 'n ganz kurze Geschichte, ganz, ganz kurzer Einwurf: Eins meiner, find ich, auch im Rückblick erfolgreichsten Projekte war die Schulentwicklung für Frankfurt am Main.
Da haben wir über ein Jahr lang sozusagen mit allen Akteuren der Bildungslandschaft in Frankfurt an der Schulentwicklung gearbeitet. Da waren auch Menschen aus den Fraktionen, aus den Parteien, aus dem Kultusministerium in Hessen, Lehrer, Schülerinnen und so weiter alle mit dabei. Und das Besondere war, als dieser Schulentwicklungsplan dann verabschiedet wurde im Magistrat – das ist das Gleiche wie bei uns der Rat – war das, ich glaub, annähernd einstimmig.
Und das liegt nicht an stalinistischen Verhältnissen, sondern es liegt daran, dass fast jeder, der dort abgestimmt hat, diesen Schulentwicklungsplan mitentwickelt hat, also eigene Ideen dort drin hatte. Und das war 'n unglaublich toller, toller Moment, ja. Und, daran seh ich immer, das ist möglich, das-- Man kann das so machen und das hilft 'ner Stadt, das hilft den Menschen.
Da kommen wir weiter, als wenn wir uns gegenseitig zerreiben in Positionen.
Nominierung von Die Grünen und CDU
Lars Maushake: Ich glaub, das spielt jetzt auch gut deine Nominierung als Oberbürgermeisterkandidat von den Grünen als auch von der CDU, die ja im, im Bund sehr stark in Opposition zueinander treten und auch in der Stadt haben die unterschiedliche Einstellungen bezüglich des Stadionsbaus.
Jetzt ja die Frage: Wie war dein Nominierungsprozess? Wie muss ich mir das vorstellen, dass du jetzt den Gedanken hast, ich will wieder zurück nach Oldenburg Oberbürgermeister werden? Und wie hast du's dann auch geschafft, die Grünen und die CDU, mitzunehmen und dich nominieren zu lassen?
Jascha Rohr: Ja, also, zurück nach Oldenburg.
Ich hab hier immer auch in den letzten Jahren, auch in denen ich Hauptwohnsitz in Berlin hatte, hatte ich hier noch meinen Zweitwohnsitz. Das heißt, Oldenburg ist immer meine Heimat, mein Zentrum gewesen. Meine Firma ist hier gewesen, auch die letzten Jahre. Deswegen ist mir Oldenburg nach wie vor nah und ich kenn Menschen hier.
Ich bin gefragt worden von den Grünen. Ich bin tatsächlich, kleine Anekdote, gefragt worden, ob ich Menschen kenne, die, Oberbürgermeister hier werden wollen, weil ich 'n gutes Netzwerk hab, auch in Berlin an interessanten Persönlichkeiten. Hab auch vermittelt tatsächlich und irgendwann im Gespräch kam dann die Frage: „Ja, wir hätten ja auch dich gefragt, aber du bist ja Unternehmer, hast 'n Unternehmen und so weiter."
Da hab ich gesagt: „Ja, fragt mich doch, vielleicht kriegt ihr 'ne andere Antwort als ihr denkt." Ja, weil ich selber an 'nem Punkt in meinem Leben bin, wo ich selber schon gedacht hab, es liegt vielleicht mal was Neues an und ich möcht noch mal anders in Verantwortung gehen. Und, ich hab mich tatsächlich bei den Grünen und bei der CDU einem Auswahlprozess gestellt, bei beiden jeweils mit anderen Kandidatinnen.
Also ich bin, heute würde man sagen, durch 'n Assessment Center gegangen, durch Findungskommission gegangen und beide Parteien haben sich für mich entschieden als ihren Kandidaten in dieser Auswahl. Und ich glaub, das z-zeigt schon was und sagt was, weil ich komm sozusagen nicht aus 'ner Parteikarriere oder ich hab mich auch nicht selbst nominiert, sondern ich hab mich halt diesen zwei Auswahlprozessen gestellt.
Und natürlich sind die Parteien Bündnis 90/Die Grünen und die CDU auch in Oldenburg in vielen Punkten So, und die haben mich aus unterschiedlichen Gründen ausgewählt. Die Grünen eher, weil mir Klimaschutz, Ökologie sehr wichtig ist, weil ich für 'ne Stadterneuerung stehe, die diese Aspekte mitberücksichtigt, weil ich für Bürgerbeteiligung stehe.
Die CDU hat sich, glaub ich, für mich eher entschieden, weil ich Unternehmer bin, weil mir der Mittelstand wichtig ist, weil ich diesen ganzen Wandel, den wir vor uns haben, mit der Wirtschaft organisieren möchte und nicht gegen sie oder ohne sie. Und weil ich eben auch für 'ne schlanke, effiziente, agile Verwaltung stehe.
So, und jetzt geht's darum, natürlich diese beiden Parteien auch mit denen den Dialog zu suchen und die auch zusammenzubringen. Und das ist nicht immer einfach. Im Gegenteil, das ist schwierig und ist auch 'n Risiko, auch für meine Kandidatur, möcht ich gar nicht verhehlen aber das ist 'n Anspruch, den ich habe.
Der wird nicht immer gelingen. Wir treten ja auch nicht als Bündnis an, ja. Die Grünen machen ihren Wahlkampf mit ihren Themen, die CDU macht ihren Wahlkampf mit ihren Themen. Ich mache meinen Wahlkampf mit meiner Überparteilichkeit, dass ich Parteien zusammenbringen möchte. Übrigens hoffentlich, wenn ich dann gewählt würde, auch andere Parteien, ja.
Glaub ich, bin ich durchaus in vielen Punkten anschlussfähig.
Methode Zuhören und Fragen
Lars Maushake: Und was ist dein Geheimnis, dass du jetzt zum Beispiel die Grünen oder die CDU oder auch andere Menschen gemeinsam 'n Tisch bekommst oder auch wie in Frankfurt zu 'ner einstimmigen Entscheidung führen kannst? Also was ist da deine Methode oder deine Technik?
Jascha Rohr: Na ja, dass ich mich selber raushalte. Ich hab tatsächlich 'n großes Vertrauen in die Menschen mit ihren Erfahrungen. Raushalten ist vielleicht der falsche Begriff, ja. Aber ich hör erst mal zu. Das hab ich jetzt auch die letzten Monate gemacht, und zwar allen. Nicht nur meiner eigenen Blase oder meiner eigenen Partei oder den Menschen, mit denen ich zu tun hab im Alltag, sondern ich versuche, an alle ranzukommen, allen zuzuhören.
Und ich glaube, das würde dir jeder bestätigen: Ich kann zuhören, ich nehm das auch auf, ich verarbeite das auch und, und analysier das und gleich das ab und lerne auch. Ich bin bereit, meine Position zu verändern, wenn ich gute Argumente höre. Und da glaub ich, bin ich glaubwürdig für viele. Das erleben viele so mit mir.
Und dann geht's natürlich darum und da komm ich zu dem Kern meiner Arbeit, dieses Gestalten, dieses Handwerkliche. Es geht da nicht mehr Meinung oder Position für mich, sondern für mich geht's darum, dass wir die richtigen Fragen stellen, ja. Wie muss die Mobilität von Oldenburg in Zukunft aussehen, damit sie für alle gut funktioniert und klimaneutral ist?
Das ist so 'ne Frage, die könnte man jetzt stellen. Und dann fängt man an, Lösungen dafür zu entwickeln, sozusagen zu gestalten, zu entwerfen, handwerklich daran zu arbeiten, dass man am Ende aus all den Erfahrungen, aus dem Wissen der Menschen, aus der Expertise, die in dieser Stadt ist, die besten Lösungen entwickelt.
Und das ist 'n anderer Prozess als: Ich hab 'ne Meinung, du hast 'ne Meinung, jetzt finden wir den schlechtmöglichsten Kompromiss, sondern nee, wir stellen die richtige Frage und dann entwickeln wir die beste Lösung.
Stadtwerkstatt Konzept
Lars Maushake: Und in dieses Handwerkliche ist dann, wenn ich den übertrag, deine Idee der Stadtwerkstatt.
Genau. Die steht ja auch jetzt auf deinem schönen neuen, Bus drauf. Ja, hast du schon gesehen. Hab ich schon gesehen, genau. Auch mit 'nem, provokanten Kennzeichen für manche. Ja, genau.
Jascha Rohr: War nicht meine Idee, weil ein Wahlkampfhelfer, aber ich freue mich sehr dadrüber.
Lars Maushake: Ja. Jetzt die Frage: Erstens, was genau meinst du mit dieser Stadtwerkstatt?
Ja. Und, wie stellst du auch sicher und das, die Herausforderung haben wir meistens, viele haben gar nicht die, die Zeit, die Ressourcen- Ja. -oder auch die Möglichkeiten, an so kollaborativen Prozessen überhaupt teilzunehmen. Ja. Was ist deine Idee der Stadtwerkstatt?
Jascha Rohr: Ja. Also die Stadtwerkstatt ist so 'n bisschen meine Marke.
Also auch damals, das, die erste Beteiligung am Fliegerhorst hieß Stadtwerkstatt Fliegerhorst. Wir haben drei Jahre lang in Berlin-Mitte zu fast vierundzwanzig städtischen kommunalen Projekten eine feste Stadtwerkstatt in Berlin-Mitte organisiert, aufgebaut, moderiert. Das ist also 'n Format, würde man in meiner Fachsprache sagen, ja.
Und diese Stadtwerkstatt, vielleicht kann man hier das am ehesten mit 'nem CORE, mit dem, dem CORE vergleichen, also so'n Co-Working-Ort, wo sich Menschen treffen, zusammenkommen, in Austausch gehen. Nur dass es nicht den beruflichen Fokus hat, sondern den, der Fokus auf gemeinsamer Entwicklung der Stadt liegt.
So kann man sich das vorstellen. Und man kann so 'ne Werkstatt als festen Ort etablieren. Das ist auch durchaus sinnvoll. Oder man kann's mobil machen, wie ich's jetzt im Wahlkampf mache. Und da geh ich ja zu den Leuten hin. Also deswegen hab ich ein Mobil, ich will in die Stadtteile damit. Und das ist schon eine Antwort da drauf, nämlich wenn die Menschen nicht sozusagen kommen, weil man sie einlädt, dann geht man zu ihnen.
Man nennt das in mein, meinem Fachjargon aufsuchende Beteiligung. Das klingt 'n bisschen technisch, aber letztendlich ist es das: hingehen, Fragen stellen, zuhören, dann ins Gespräch kommen, Lösungen entwickeln. Ist 'n ganz einfaches Konzept, aber es geht auf und funktioniert. Und ich hab für, ist jetzt fast auch schon zehn Jahre her, fürs Umweltbundesamt meine Forschung gemacht zu sozusagen, wie erreicht man die Menschen, die sonst eben zu solchen Veranstaltungen nicht kommen und die Stadtwerkstatt ist tatsächlich schon 'ne Antwort auf diese Fragen, ja.
Also hingehen, man wird sehen, ich hab 'ne große Stadtkarte, auf der man Dinge zeigen kann. Das sind alles wichtige Elemente, um ins Gespräch zu
Lars Maushake: Um noch mal, damit ich das plastisch sehe, also du, du fährst mit deinem Stadtwerkstattbus, 'n Transporter dann in die verschiedenen Stadtgebiete und baust da 'nen Stand auf mit verschiedenen methodischen Möglichkeiten Anregungen zu bringen im Stadtteil oder-
Jascha Rohr: Genau, aber das wird gar nicht so, also genau das ist der Punkt.
Ich werd da jetzt kein, keine riesige Pädagogik aufbauen, um Gottes willen. Ich will die direkte, authentische Begegnung mit den Menschen im Stadtteil. Und ich werd vielleicht auch einfach nur parken, gar nichts aufbauen und klassisch von Haustür zu Haustür gehen. Aber ich möchte eben auch, mit den Menschen mir den Stadtteil zeigen lassen, weil ich kenn viele Stadtteile, aber natürlich mit meinem Blick und der Blick von Menschen, die in 'nem Stadtteil wohnen, ist immer ein anderer.
Und auch da hab ich so im Laufe der Jahre einfach so, so unglaubliche, Erlebnisse gemacht, ja. Ich weiß, in Trier haben wir mal, 'n soziales Stadtprojekt gemacht und da sind wir dann mit, haben wir uns von Anwohnern durch dieses, Stadtquartier führen lassen und da waren wir dabei, aber auch zum Beispiel Stadtplaner aus der Verwaltung, die seit zehn Jahren an diesem Projekt gearbeitet haben und die sind mit uns durch da rumgegangen und dann sagte irgendwann einer dieser Stadtplaner: „ Boah, das hab ich hier noch nie gesehen.
Hier war ich noch nie." Und dann denk ich: „Hey, Moment mal, du arbeitest seit zehn Jahren." Ja, aber der arbeitet an seinem Computer, an den Stadtplänen und so. Und diese direkte Begegnung, rausgehen, das mal wirklich anfassen, sehen, im Gespräch sein, ist noch mal 'ne ganz andere Dimension.
Verwaltung digitalisieren
Lars Maushake: Du hattest ja angesprochen, dass die CDU insbesondere mit deinem unternehmerischen Profil, aber auch deine Idee für 'ne schlankere, digitalisiertere Verwaltung, überzeugt hast von deiner Person. Wie genau muss ich mir das vorstellen? Gibt es schon konkrete Ideen für die ersten berühmten 100 Tage als Oberbürgermeister, wie du die Stadtverwaltung möglicherweise neu oder anders angehen
Jascha Rohr: Ja, eine Forderung der CDU ist ja, Organisationsentwicklung zu machen, also auch extern, da einfach mal das zu evaluieren: Wo steht die Verwaltung? Welche Prozesse sind da? Wo kann was digitalisiert werden? Wo können, Prozesse unbürokratischer, schneller, effizienter werden? Natürlich vor allem auch, um die Verwaltung selbst zu entlasten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, weil ich kenn die Verwaltung hier in Oldenburg zumindest einige, einige Abteilungen, einige Menschen, die hier arbeiten, mit denen ich auch schon zusammengearbeitet hab.
Und ich halte die Oldenburger Verwaltung für 'ne gute Verwaltung. Ich hab ja sehr viel Erfahrung mit anderen Verwaltungen in Deutschland und, hab das hier immer als unglaublich engagiert und auch fachlich versiert empfunden. Und wir sind sehr über 3.000 Menschen in der Verwaltung und gleichzeitig ist die Arbeitslast sehr hoch und ich glaube, da kann man durchaus einiges besser organisieren.
Das wollen wir sehr, sehr schnell angehen miteinander. Und auch da wieder das gleiche Prinzip: angucken, beobachten, analysieren, richtige Frage stellen, Lösungen entwickeln, umsetzen.
Lars Maushake: Und ich denke, das ist auch der richtige Ansatz, wenn wir auf Digitalisierung schauen.
Gründerstadt Oldenburg
Lars Maushake: Wenn du jetzt unternehmerscher Sicht schaust, möglicherweise auch Start-ups oder andere Unternehmen, schnellstmögliche Anmeldungen ermöglichen.
Gibt's da vielleicht aus der unternehmerschen Sicht von dir auch Projekte, sagst, das hast du vielleicht nicht ganz so gut empfunden und würdest du gerne verbessern oder, Ideen jetzt mit IQON bekommen wir ja ein Innovationsquartier nach Oldenburg, ob's da in die Richtung Innovation auch bei dir Themenschwerpunkte gibt?
Jascha Rohr: Also ich bin total happy über die Szene, die wir hier in Oldenburg haben, die Gründerinnenszene. Ich find, Oldenburg sollte gründerfreundlichste Stadt werden. Ich finde toll, was es für Innovationen gibt. Und das zusammenzubringen mit der Verwaltung, ich glaub, da kann noch viel mehr gemacht werden. Da sind Ideen für 'ne effizientere Verwaltung, auch Softwarelösungen und so weiter und so fort.
Und das ist ja immer sehr kompliziert, ja, für Verwaltungssoftware überhaupt einzuführen, zu etablieren, Datenschutz und so weiter und so fort. Da in Dialog zu gehen und zu gucken, wie können eigentlich Oldenburger Gründerinnen und Unternehmen tatsächlich auch mit der Verwaltung hier kooperieren, um eine bessere Verwaltung aufzubauen, find ich 'n super, super wichtigen und guten Ansatz.
Klimaschutz mit Angeboten
Lars Maushake: Jetzt gehen wir zur anderen Seite. Mhm. Die Grünen, die hast du eher überzeugt mit, ich würd es mal für mich zusammenfassen, liberalen, auch klimafreundlichen Ansatz. Wir haben ja als Stadt Oldenburg uns das Ziel gesetzt, bis 2035, das wär ja kurz nach deiner Amts, also Ende deiner Amtszeit, klimaneutral zu werden.
Wie willst du den Prozess auf der anderen Seite managen? Weil für viele bedeuten die Veränderungen möglicherweise auch gefühlte Einschnitte oder auch Veränderungen in der Mobilität oder in 'nem öffentlichen Nahverkehr. Was sind da deine Ideen auf der, der anderen Seite deiner mehr klimafreundlichen Politik?
Jascha Rohr: Also ich glaube, Klimapolitik scheitert, wenn Sie die Menschen, wenn's das Leben der Menschen schwerer macht. Und ich kann total nachvollziehen, dass viele da Sorgen haben vor steigenden dass sie ihre Wohnung umbauen müssen, dass sie nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit in die Stadt kommen und so weiter.
Ich bin überhaupt kein Verbotsmensch und auch kein Ideologe. Ich will Angebote schaffen. Ich will gute Lösungen. Und die guten Lösungen für die Menschen müssen an erster Stelle stehen und dann kann man nachziehen. Das ist zumindest mein Ansatz. Das heißt, Klimapolitik ist für mich auch Sicherheitspolitik, ist Gesundheitspolitik, ist Stadtentwicklungspolitik.
Wir müssen gucken, wie können wir das machen, so dass es reale Erleichterungen im Leben der Menschen gibt durch bessere Mobilität, die dann aber vielleicht klimaneutral ist, von Ladesäuleninfrastruktur bis zu besserem ÖPNV und Park and Ride zum Beispiel. Oder dass wir gucken, wir haben ja unglaublich viel Energiekompetenz hier mit der EWE, mit anderen Unternehmen, Energiegenossenschaft hier.
Wir haben wirklich unglaublich viel Kompetenz. Warum tun wir uns nicht zusammen und gucken, wie können wir das Heizen, die Energieversorgung hier wirklich so aufstellen, dass sie klimaneutral ist und dass sie für alle funktioniert und wir uns unabhängig machen von diesen irren Preisschwankungen, die wir jetzt gerade wieder erleben, wenn so ein Trump sagt: „Wir bombardieren mal Iran", So, davon müssen wir ja unabhängig werden. Also ich will, dass wir unabhängig werden und das können wir auch. Wir haben die besten Voraussetzungen hier und es geht ja vieles auch schon in die richtige Richtung und das will ich unterstützen. Und ich glaube, dann kann man die Menschen ja mitnehmen ist immer so 'n blödes Wort, Das schönste Beispiel für mich ist, wenn ich irgendwo in 'ner Kneipe sitze und ich sehe, zwei Menschen, meistens sind's, die Herren, ja, die auf ihrem Handy sich gegenseitig zeigen, was ihr Balkonkraftwerk heute wieder eingefahren hat, ne.
Dann denke ich: „Ja, so muss Energiewende funktionieren". Also die Leute haben Spaß daran, sie haben Vorteil davon. So geht das.
Haushalt Prioritäten setzen
Lars Maushake: Wir werden aber vermutlich auch in der, in den nächsten Jahren Herausforderungen in der Stadt Oldenburg haben. Die Finanzdezernentin hat ja schon gesagt, dass in den nächsten zwei bis drei, vielleicht vier Jahren, je nachdem, wie die Haushaltslage entwickelt, wir möglicherweise in 'ne Haushaltssicherung reinrutschen können oder auch große finanzielle Belastungen haben.
Irgendwann wird die Frage kommen, die wirst du als Oberbürgermeister ja nicht alleine entscheiden müssen, sondern zusammen mit dem Rat, dass auch möglicherweise Kürzungen im Raum stehen.
Gibt's da für dich, ganz klar sagen: „Da als Oberbürgermeister möchte ich meine Kraft einsetzen. Das möchte ich behalten oder auch möglichst lange sichern." Und andere Sachen, wo du sagst, das ist in den Prioritäten, das ist vielleicht ein bisschen weiter unten.
Jascha Rohr: Ja. Also das ist natürlich 'ne irre große Sorge, die ich auch hab, weil ich tret ja an, um diese Stadt zu gestalten und ohne finanziellen Spielraum kann man nichts gestalten.
Dann rutschen wir irgendwann genau da rein, dass wir sozusagen nur noch die Pflichtaufgaben machen können. Und das sind viele. Und wir haben viele Baustellen: Flötenteich, die Tiefgarage. Es kommen ja auch Dinge dazu, die wir in Zukunft machen müssen. Schulen müssen saniert werden und gebaut werden, Straßen müssen saniert und gebaut werden.
Es gibt Pläne und Diskussionen über mehr Sporthallen und das ist alles richtig und schön. Sind aber alles Kosten und aus vielen kommen wir gar nicht raus. Die können wir gar nicht reduzieren. So, und nicht alles, was wir an Ausgaben haben oder Kosten haben hier in der Stadt, ist ja hausgemacht. Muss man fairerweise auch sagen.
Das ist 'n Mix und deswegen muss man auch mit 'nem Mix von Maßnahmen Was ich machen würde, ich würd mir die großen Posten mal vornehmen, ja, wo wirklich große Defizite sind, weil ich persönlich – das kann man sicherlich aus meiner, meiner Erfahrung und meinem Hintergrund auch, gut ablesen – ich glaube, dass es nicht richtig ist, bei engagierten Bürgern, bei Sozialprojekten, Bildungsprojekten, Klimaschutzprojekten, Kleinprojekten zu sparen, weil A: Man kann da gar nicht so viel sparen, wie wir sparen müssen und B: Dahinter stehen immer Menschen, die oft für wenig Geld oder im Ehrenamt solche Projekte machen und teilweise nur von Jahr zu Jahr projektorientiert das machen.
Das ist ein unglaublicher Druck und wenn man da noch mehr Druck reingibt, dann ist das irgendwann, dann kratzt das wirklich an dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und wie wir hier als Gesellschaft miteinander uns unterstützen und helfen. Und dazu auch noch ein Punkt: Ich war jetzt gerade bei der Jugendkulturarbeit in Donnerschwee.
Die kriegen ungefähr hundertfünfzigtausend Euro von der Das ermöglicht ihnen aber, Fördermittel von eins Komma fünf Millionen einzuwerben. Das heißt, für jeden Euro, den die Stadt dort aus-ausgibt, gibt es 'n Gegenwert von, von zehn Euro zurück, ja. So, und da würd ich nicht kürzen. Wo ich Chancen sehe und Möglichkeiten sehe, sind wirklich die großen Dinge.
Das eine ist Verwaltung, haben wir angesprochen. Ich werde nicht mit 'ner Kettensäge durch die Verwaltung gehen, um Gottes willen. Das ist alles andere als mein Stil. Ich glaube, das kann man mir glauben. Aber wir müssen tatsächlich darüber nachdenken über Nachbesetzung. Also ist jede Nachbesetzung nötig, vor allem wenn es uns gelingt, mit 'm – wir haben eben drüber gesprochen – 'ner Organisationsverschlankung, Digitalisierung, bessere, schnellere Prozesse zu etablieren. Dann brauchen wir natürlich hochqualifizierte, Fach- und Führungskräfte in der Verwaltung, aber nicht jede Stelle muss danach besetzt werden, wenn jemand in Rente geht zum Beispiel. Im Sozialbereich müssen wir bestimmt gucken, also mal ganz, ganz kritisch hingucken: Was, was hat sich als wirksam erwiesen?
Wo müssen wir vielleicht auch 'n bisschen mehr ausgeben? Wo können wir auch was zurunter, runterfahren? Und wie entwickelt sich das auch langfristig? Also ist 'ne frühkindliche und, Jugendprävention zum Beispiel verhindert die, dass nachher Leute, in, soziale Sicherungssystem fallen. Dann ist das 'ne gute Investition.
Das müssen wir uns aber an den Zahlen richtig angucken. Dann gibt's natürlich die ganze Finanzgeschichte mit Ländern und Bund. Wir haben unglaublich viel kommunale Aufgaben, werden aber nicht entsprechend entlohnt. Darunter klagen alle, Kommunen. Da müssen wir gemeinsam mit den Verbänden Druck auf Land und Bund ausüben.
Und letzter Punkt ist, wo ich auf jeden Fall hingucken würde, sind natürlich die Eigenbetriebe. Die sind teilweise defizitär, stark Das ist in 'nem gewissen Rahmen auch okay, Das ist 'ne kommunale Aufgabe, Geld in solche, Leistungen zu bringen und trotzdem frag ich mich bei dem einen oder anderen Defizit: Muss das wirklich so groß sein?
Können wir da nicht dran arbeiten? Ich weiß zum Beispiel, dass das Klinikum ja immer wieder auch dran arbeitet. Ich steh hinter dem Klinikum. Ich will, dass wir Universitätsstandort sind, aber das Defizit ist wahnsinnig hoch. Und, da muss man schon mal noch mal genauer hingucken.
Stadion Kritik und Transparenz
Lars Maushake: Wenn wir, wenn wir jetzt Richtung Defizite schauen und auch Großprojekte, die du angesprochen hast, die du dir insbesondere anschauen möchtest, haben wir jetzt ja 'n sehr prominentes, Zukunftsprojekt, das ja in Oldenburg viel diskutiert wird.
Es geht um das Stadion und, Du hast es auch, ähm, bei O1 auch noch mal angesprochen gehabt. dass das Konzept für das Stadion, wird bei keiner Bank und kein Investor in irgendeiner Art und Weise gefördert werden. Jetzt entscheiden wir uns aber für 55 Millionen möglicherweise 'n Stadion zu bauen mit mindestens zwei Millionen Euro Zuschuss pro Jahr durch die Stadt Oldenburg
Wie ist da deine Perspektive auf das, Stadion und auf das Konzept?
Jascha Rohr: Genau, also das ist mein, mein Kritikpunkt daran. Ich bin nicht gegen das Stadion, das möchte ich auch noch mal ganz in aller Deutlichkeit hier sagen und ich hab auch allen Akteuren gesagt: "Wenn es kommt, steh ich 100 % dahinter und werd mit euch daran arbeiten, dass das Projekt so erfolgreich wird wie möglich."
Da steh ich zu. Momentan Ist aber ja die Auftragsvergabe noch fragwürdig sozusagen oder steht noch, ist noch offen. Und wir haben 'n Geschäftsmodell, das leider nicht öffentlich diskutiert wird. Ich würd mir sehr wünschen, dass das öffentlich diskutiert wird. Weil ich bin Unternehmer, ich guck auf solche Zahlen und dann hab ich viele, viele Fragen.
Die sind für mich nicht geklärt. Meiner Meinung nach müssten die geklärt werden vor einer Auftragsvergabe und auch öffentlich diskutiert werden bei 'nem öffentlichen Projekt. Weil wie du sagst, zweieinhalb bis vielleicht sogar dreieinhalb Millionen Defizit jedes Jahr im Betrieb, das ist 'ne Belastung. Und ja, im Verhältnis zum Gesamthaushalt ist das vielleicht jetzt nicht so viel, aber im Verhältnis zu wie viel Projekte kann man an anderer Stelle damit unterstützen, ist es vielleicht dann doch wieder viel.
Und am Ende kommt's auf jede Million an, wenn sozusagen, die Kommunalaufsicht genau hinguckt und sagt, jetzt ziehen wir euch den Stecker, jetzt nur noch, Pflichtaufgaben, ja. So, und da hätt ich mir gewünscht, dass das transparenter ist, dass man da genauer hinguckt und dass man da vielleicht nicht ganz so leicht die Verantwortlichen auch auf der Seite des Vereins sozusagen aus der, aus der Verantwortung entlässt, ja.
Warum denn nicht 'n Beitrag von den Sponsoren zum Bau oder auch zum Betrieb, ja?
Lars Maushake: Welche Fragen hast du dir gestellt bezüglich des Konzeptes, Betriebskonzept, wo du gesagt hast, du hast ganz viele Fragen bezüglich dieses Konzeptes?
Jascha Rohr: Na ja, ganz einfache Sache. Also die Stadt wird, so wie ich's bisher verstanden hab, wie gesagt, alle Informationen sind ja nicht zugänglich.
Die Stadt wird ja, die Gesellschaft besitzen und den Betrieb machen. Ist erst mal die Frage: Ist es Aufgabe einer Stadt, ein, ein sozusagen kommerzielles Stadion zu betreiben? Ne, kann, kann jeder erst mal für sich selber beantworten. Da wär mein erstes Fragezeichen. Das gar nicht, das ich gar nicht entschieden hab, aber ich würde das gerne diskutieren.
So. Ich weiß, das wird auch diskutiert, aber öffentlich nicht genug. Dann wissen wir jetzt und das sind auch nur Zahlen, die hör ich auch nur aus zweiter Hand, dritter Hand, zweieinhalb bis dreieinhalb Millionen Defizit würde diese Gesellschaft dann haben. Von Anfang an und solange das Stadion besteht.
Fragt man sich, okay, wie macht dieses Stadion eigentlich ihr Geld? Ich hab gehört, vom Verein, 17 Spieltage wird gemietet das Stadion für circa 10.000 Euro, das sind 170.000 Euro plus natürlich die festen Räume, die der Verein dort haben will, kommen wir auf Mieteinnahmen von 250.000 Euro. So über-überschlagsweise meine innere Rechnung.
Gut, jetzt gibt die Stadt also zweieinhalb bis dreieinhalb Millionen aus und bekommt vom Verein 250.000 Mieteinnahmen, 17 Tage plus 'n paar Räume, die wir dort vermieten. Und jetzt haben wir natürlich ganz viel offenes Potenzial. Das seh ich auch, ja. An den ganzen anderen Tagen ist das Stadion noch Wir haben irgendwie die VIP-Lounge, wir haben dieses Mais, das sind unterschiedliche Räumlichkeiten. Aber jetzt muss ja die Stadt selber Werbung betreiben. Die muss ' n Vertrieb aufbauen, die muss 'n Marketingkonzept entwickeln, die muss sozusagen 'ne Programmatik entwickeln, die muss gucken, wen holt sie noch ein.
Das ist alles sozusagen jetzt auf, auf die Stadt und die Bürger damit abgewälzt. Das find ich schwierig. Da hätt ich gerne klarere Zahlen. Da hätt ich gerne schon erste, Letter-of-Intent-Verträge zum Beispiel mit anderen, die auch sagen, wir mieten 10, 20 Tage im Jahr oder so, ja. Dass man einfach sieht, ihr habt 'n Konzept, wie ihr das eigentlich machen wollt.
Das seh ich bisher noch nicht. Und kommt das Stadion, werd ich mich als Oberbürgermeister dafür einsetzen, dass genau diese Arbeit gemacht wird. Gar keine Frage. Im Moment ist das 'ne, sind das offene Fragen, die mir Bauchschmerzen
Lars Maushake: Da seh ich auch 'ne Herausforderung für die Zukunft. Wir haben das jetzt gesehen beim Flötenteichbad.
Da haben sich die Kosten des Baus aus verschiedensten Gründen, fast verdoppelt. Es gibt, Untersuchungen, die sind vielleicht noch 'n paar Jahre, schon alt, dass aber auch dieses Totalunternehmerverfahren, auch regelmäßig zu Kostensteigerungen von bis zu 20 % führen kann.
Gibt es da für dich 'ne Idee, w-wenn das Stadion jetzt kommt, dass du, da 'n Ansatz hast, okay, wie kannst du das verhindern oder neue Strukturen schaffen, um genau die Herausforderungen, die vielleicht beim Flötenteich hatten, in Zukunft zu verhindern?
Jascha Rohr: Also das, was im Flötenteich passiert ist, wird im Stadion mit 'nem Totalunternehmervergabe nicht passieren. Da bin ich ganz zuversichtlich. Ich find das richtig, Totalunternehmer zu machen. Aber wie du sagst, auch 'n Totalunternehmer verhindert nicht komplett, dass mehr Kosten entstehen. Das kommt jetzt 'n bisschen auf die Vertragsgestaltung an, die kenn ich nicht.
Es gibt oft, oft so Gleitklauseln, zum Beispiel wenn Energiepreise steigen und so weiter, dass das angepasst werden darf in 'nem bestimmten Rahmen. Das weiß ich jetzt nicht, ob jetzt in diesem Totalunternehmervertrag drin ist oder nicht. Den werden wir ja wahrscheinlich dann irgendwie bald sehen. So, aber es gibt natürlich auch ganz andere Risiken.
Zum Beispiel, dass sich dieser Totalunternehmer verkalkuliert. Also wenn ich jetzt höre, es gibt gar nicht so viele Angebote und einer hat sehr niedrig für das, was da gebaut werden soll, geboten, dann ist das Risiko natürlich schon auch, dass der daran, wenn jetzt die Energiepreise steigen, pleite geht. Und dann haben wir ein Riesenproblem.
Also dann passiert genau das Gleiche, weil, 'n Totalunternehmer, der pleite ist, der baut nicht mehr zu dem Preis und da muss neu geguckt werden. Also die Risiken kann man nicht komplett ausschließen. Trotzdem, Totalunternehmer ist erst mal richtig. So, und dann, wenn das vergeben ist, sehr viel mehr kann man nicht machen.
Dann läuft der Zug und da muss man mit dem arbeiten, was ist und hoffen, dass es gut geht. Und natürlich muss man dann gucken, Transparenz hab ich ja schon angesprochen. Ich find, dann ist richtig wichtig, dass während des gesamten Baus und auch was die Gesellschaft dann angeht, die Betreibergesellschaft, dass da demokratische Transparenz herrscht, dass das nicht irgendwie 'n geschlossener Verein ist, wo nur aus'm Rat zwei, drei Aufsichtsratsmitglieder oder so sitzen, sondern dass wir wirklich Quartalsberichte haben, dass wir miteinander auf die Zahlen gucken, dass wir 'ne demokratische Kontrolle haben und schnell gegensteuern können und Lösungen finden können, wenn's aus'm Hufer läuft, ne, aus'm Ruder.
Wahlkampf Kernthemen
Lars Maushake: Gibt es, 'nen Punkt, der dir jetzt im Wahlkampf besonders wichtig ist, wo du sagst, das sind so meine Hauptthemen, die du auch gerne immer platzierst. Was sind, deine drei Themen, die du gerne zentral platzieren möchtest im Wahlkampf?
Jascha Rohr: Also ich bin Stadtentwickler, Stadtgestalter. Ich bin auch viel auf internationalen Stadtentwicklungskonferenzen gewesen und ich seh, was andere Städte machen. Und durch meine Arbeit weiß ich natürlich auch, wo ist Best Practice. Ich möchte, dass wir wieder aufschließen, dass es bei uns 'n paar Projekte gibt, wo wir sagen: Ja, wir entwickeln hier wirklich 'ne moderne, zukunftsfähige, lebendige Stadt mit 'ner hohen Lebensqualität, 'm hohen Wohlstand, mit Fachkräften, 'ner Verwaltung, die funktioniert.
So, das ist mein Zukunftsbild, da möcht ich hin. Und danach würd ich die Projekte auswählen, äh, und das, wo ich meine Schwerpunkte setze. Und Die zwei wichtigsten Schwerpunkte haben wir schon. Die sind nicht besonders sexy, aber das ist Verwaltung und Geld. Ich weiß, ohne 'ne gute Verwaltung und ohne voll vernünftige Finanzen können wir hier nicht viel machen.
Deswegen ist das die Grundlage.
Innenstadt und Wohnen
Jascha Rohr: Und dann würde ich mir zum Beispiel eine Sache, die mir extrem am Herzen liegt, ist die Innenstadt, aber auch Stadtteilzentren. Also unser Mittelstand hier in Oldenburg, gerade auch Gewerbe, Handwerk, Einzelunternehmer, Ladengeschäfte und so weiter, die haben's verdammt schwer.
Ich hab jetzt gerade erst, ich hab's leider, äh, nicht mit, ich kann's noch mal im Nachgang nachgucken: siebzehn Prozent der, Einzelhändler und, kleineren Unternehmen, mittelständischen Unternehmen haben Angst davor, insolvent zu gehen, gerade in der Lage, in der wir gerade sind mit den ganzen Kosten und Und, das betrifft natürlich auch eben Menschen hier in der Innenstadt. Ich möchte, dass wir 'ne richtig gut funktionierende Innenstadt schaffen, dass da wieder andere Lebendigkeit reinkommt, andere Nutzungen reinkommen, gemischte Nutzungen. Das müssen neue Konzepte sein, aber so, dass eben die Unternehmen, die da sind, auch wieder sagen: „Das ist ein toller Standort hier."
Das hat viel mit Erreichbarkeit zu tun, also Frequenz erhöhen, Erreichbarkeit erhöhen. Ich hab schon gesagt, Park and Ride, die Samstagsbusse sind 'n toller Ansatz, aber das reicht noch nicht. Da geht noch mehr. Ich hab mit den, Menschen, Gewerbetreibenden gesprochen aus der Innenstadt und gleichzeitig möchte ich aber auch die Stadtteilzentren nicht vergessen, weil das sind sozusagen kleine Innenstädte und auch die müssen lebendig sein und belebt werden.
Ich glaube, solche Kernpunkte, wo Menschen zusammenkommen, Lebendigkeit, Geschäftigkeit da ist, die tragen so 'ne Stadt. Und ja, das wär auf jeden Fall was auch Stichwort hundert Tage, da möchte ich richtig Gas geben, ja, an der Stelle. Und das Zweite ist, ich hab gerade gesagt, andere Städte machen's uns vor.
Kopenhagen wird immer als Fahrradstadt genannt und so. Mal ein anderes Beispiel: Wien, Wohnungsbau. Wien ist seit Jahrzehnten einfach Vorreiter im Wohnungsbau. In Wien sind die Mieten wirklich gering. Die Leute können sich Wohnraum leisten. Ich hab jetzt noch mal extra nachgeguckt: Während München irgendwie bei dreiunddreißig Euro liegt, ja, ist Wien bei zehn, zwölf Euro pro Quadratmeter.
Zumindest hab ich das gerade gegoogelt , noch mal im Vorfeld. Aber ich kenne auch Architekten in Wien und die haben tolle Wohnbauprogramme dort und die schaffen das, dass Wohnraum erschwinglich ist. Und das führt dazu, dass Fachkräfte kommen, dass Leute Familien gründen, dass Leute diese Stadt als ihren Lebensmittelpunkt langfristig in Betracht ziehen.
Das müssen wir in Oldenburg erreichen. Und vielleicht hast du's ja auch schon gehört, ich hab ja 'n großen Blick hier direkt gegenüber vom Bahnhof auf das Areal nördlich vom Bahnhof, äh, gelegt, wo früher der Ringlokschuppen war. Das ist zum Beispiel was, da könnten wir so was mal zeigen.
Lars Maushake: Also ist für dich auch wichtig, d-das Wohnen nicht nur als soziale Herausforderung, sondern auch als Anreiz für junge Familien oder junge Menschen auch nach Oldenburg zu kommen, wenn ich das richtig zusammenfasse.
Jascha Rohr: Ja, Wohnen ist, dass Menschen sich das Wohnen in der Stadt leisten können, löst eine Reihe von Problemen. Nicht nur, dass sie günstigeren Wohnraum haben, sondern dass Menschen nicht aufs Land ziehen müssen, dann mit der Stadt in die Innenstadt zur Arbeit pendeln müssen. Es löst, dass zum Beispiel im Pflegebereich Arbeitskräfte überhaupt nach Oldenburg können, kommen können, weil sie sich hier das Wohnen leisten können.
Und wir brauchen Pflegearbeitskräfte. Es gibt eine riesige Konkurrenz, um, Fachkräfte im Pflegebereich. Das ist ein, ein, ein unglaubliches Thema für die Zukunft, das wir lösen müssen. Und 'n ganz wichtiger Punkt ist, dass wir den Menschen, die nach Oldenburg kommen wollen, das betrifft aber auch junge Gründer\*innen oder Menschen, die hier studieren und nach dem Studium sich fragen: „Gründe ich hier meine Familie oder nicht?"
Ja, wenn sie bezahlbaren Wohnraum in der Stadt finden, ist die Chance ja viel größer, dass sie hierbleiben, ist die Chance größer, dass sie hier Familien gründen, dass wir hier Pflegekräfte haben, dass wir hier neue Unternehmen aufgebaut kriegen. Das ist 'ne Aufwärtsspirale und die möcht ich gerne in Gang setzen.
Kitas und Fachkräfte
Lars Maushake: Wenn wir jetzt auf junge Menschen, weiter schauen, betrifft mich ja persönlich auch, ich würd mich auch noch als jung zählen. Äh, hast du da auch noch, äh, weitere Ideen, was jetzt, äh, die, die Kinderbetreuung angeht? Wir gehen jetzt über zu Ganztagsschulen. Mir werden aber auch Herausforderungen erzählt, dass besonders auch die Kita-Platzvergabe in Oldenburg manchmal oder auch die Krippenplatzvergabe, prekär sein kann, oder relativ starre Strukturen gedrängt wird.
Hast du da auch 'n speziellen Blick auf junge Menschen in deinem Wahlkampf?
Jascha Rohr: Ja, Und, was die Kita angeht, das ist das gleiche Problem wie mit der Pflege. Wir sind eigentlich relativ gut mit dem Kita-Ausbau. Das ist gar nicht das Problem. Also da kann auch noch was und muss noch was getan werden, aber auch hier ist das größere Problem, sind die Erzieher\*innen, die schwer zu kriegen sind, die sich das Wohnen hier nicht leisten können.
Und dann gibt es das Problem, dass gar nicht, weil's keine Kita gibt, sondern weil's eben die Erzieher\*innen, nicht da sind, dass Zum Beispiel bestimmte Gruppen zu bestimmten Zeiten einfach nicht stattfinden oder die Ausfälle spontan sind durch Krankheit und man dann nicht jemand hat, der dann als Ersatz einspringen kann.
Dann müssen die Kinder zu Hause bleiben. Das sind , Eltern, die zur Arbeit wollen. Dann müssen die plötzlich selber ihr Kind mitnehmen oder, Oma fragen, aber Oma ist vielleicht nicht hier. Das sind echt richtig richtige Belastungen für diese jungen Familien und das geht eigentlich nicht.
Das, das müssen wir lösen. Und auch da wieder, das lösen wir, indem wir 'ne Stadt schaffen, die für solche Fachkräfte in diesen Berufen auch attraktiv
Häusliche Gewalt
Lars Maushake: Wenn wir uns auf die Kriminalstatistik schauen in der Stadt Oldenburg – ich weiß, das ist ein kompletter Themensprung, äh- Stimmt.
Haben wir im Großen und Ganzen 'ne, 'ne Reduzierung in der Kriminalität. Ja. 'N Punkt, der aber besonders auffällt, ist die häusliche Gewalt in Oldenburg, die in den letzten Jahren, seitdem die auch Statistik erhoben wird, deutlich, steigt, aber aus meiner Perspektive in der Stadt noch zu wenig besprochen wird
Hast du 'ne Perspektive auf diese Herausforderung?
Jascha Rohr: Oder- Also ich war vor Kurzem auf 'ner Präsentation des Frauenhauses, das hier entstanden ist und ich fand das 'ne unglaublich engagierte und wichtige Arbeit und ich muss ehrlich zugeben, in dieser Dimension, wie's mir da erzählt wurde, hatte ich die Problematik nicht aufm Schirm.
Ich wusste, dass, dass diese Problematik natürlich existiert und, ähm, ich glaube, da haben wir ganz, ganz tolle Akteure hier. Da gibt's 'ne gute Kooperation zwischen zum Beispiel dem Frauenhaus, der Polizei, der Stadtverwaltung und das sind genau die Sachen, die wir brauchten. Und das brauch-- meine ich auch mit solchen Projekten darf man auf gar keinen Fall das Geld abdrehen, sondern davon brauchen wir mehr, auch dort mit relativ wenig Geld sehr viel sehr Wichtiges für die Stadt geleistet wird.
Schlusswort Zusammenhalt
Lars Maushake: Haben wir noch irgendein Thema, nicht angesprochen, das dir persönlich wichtig ist, wo du sagst, das möchtest du am Ende noch mal, platzieren und noch mal ansprechen, weil das im Wahlkampf möglicherweise dich auch noch durchträgt?
Jascha Rohr: Nee, ich glaub, wir haben wirklich gut sind wir durch die Themen gegangen. Du bist super vorbereitet. Vielen Dank. Ich glaub, was, was mir wichtig ist, ich trete ja wirklich an, um die Stadtgesellschaft zusammenzubringen und diese Stadt zu gestalten, weil ich dass viele Herausforderungen auf uns warten, schwierige Herausforderungen, und wir die nur gemeinsam lösen können, ne.
Ich mach mir wirklich große Sorgen um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Um die Demokratie, um ja und, und ich glaube, wir müssen aufhören, in der demokratischen Mitte uns gegenseitig zu zerhacken. Die Gefahren sind woanders. Wir müssen Lösungen liefern. So, und das geht nur, wenn wir miteinander gestalten.
Und ich persönlich bin 'n Mensch, der gerne wirksam ist. Und ich erlebe auf meiner Tour durch Oldenburg und in den Gesprächen in Oldenburg auch nur Menschen, die wirksam sein wollen, die etwas beitragen wollen zu ihrer Stadt, zu ihrem Stadtteil, zu einem bestimmten Thema. Und dieses Engagement, das finde ich, ist das Allerallerwichtigste, was wir haben, das Allerwertvollste.
Und das möchte ich einfach unterstützen und fördern. Und ich möchte, äh, dass wir vielleicht am Ende meiner Amtszeit, wenn ich denn dann gewählt werden dass einfach merken, dass wir anders zusammengekommen ist, dass hier 'ne andere Stimmung ist, dass wir kooperativer sind, dass wir vielleicht auch harte Herausforderungen miteinander gemeistert haben und besser dastehen als vorher.
Also so an, ja und dazu möchte ich einfach einladen und vielleicht auch noch mal ganz ausdrücklich dazu einladen: Guckt euch die Stadtwerkstatt an, wenn ich in den Stadtteil komme, kommt einfach vorbei, redet mit mir, auch wenn ihr völlig anderer Meinung seid, ganz andere Themen und Interessen habt.
Gerade dann möchte ich mit euch sprechen.
Abmoderation und Ausblick
Lars Maushake: Ja, vielen Dank, Jascha. Und ihr da draußen in Oldenburg, wie ist eure Lage? Schreibt mir an moin@oldenburglage.de. Alle weiteren Informationen über die nächsten Folgen erhaltet ihr unter oldenburglage.de. In der nächsten Folge spreche ich mit Ulf Prange, dem SPD-Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters.
Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
Jascha Rohr: Vielen Dank, Lars. Tschüss.